Die Ausstellung wandert weiter – mit Ihrer Hilfe!

Das gute Echo, das die Ausstellung in St-Maurice gefunden hat, ermutigt uns, sie überall im Land zu zeigen! Überall dort, wo sich dank Ihrer Unterstützung Türen öffnen werden.

Der nächste Ausstellungsort wird Emmen (LU) sein, im Februar und März 2018 im Foyer des Pfarreiheims (genauere Daten werden auf unserer Webseite stehen). Die Begegnung mit dem Luzerner Franz Gehrig hat uns zu diesem Ort geführt. Er hat die „gestohlene Kindheit“ als Heimkind erlebt. Seit zehn Jahren malt er und hat bereits über 300 Bilder geschaffen (siehe Foto).
Er sagt, das Malen helfe ihm nach vorn zu schauen und es gebe ihm Kraft zum Leben. Wir konnten alle seine Gemälde, von denen manche noch nie ausgestellt worden sind, sehen. Sie sollten gezeigt werden und die Menschen in unserem Land ansprechen.
Darin liegt das Ziel der Wanderausstellung. Mit ihr möchten wir ...

weitere Menschen mit eigener Armutserfahrung kennenlernen, ihre noch unbekannten Werke ausstellen und mit ihnen die Öffentlichkeit ansprechen. Damit dieses Projekt zustande kommt, brauchen wir die Unter-stützung von anerkannten Kunstschaffenden und Akteuren der Gesellschaft. Dank diesen – und dank Ihnen! – werden sich, so hoffen wir, Türen für weitere Ausstellungen öffnen. Auch mit Werken, die uns bereits anvertraut worden sind.

Von Anfang an haben sich Freunde von ATD Vierte Welt für dieses Projekt begeistert. So wird in Basel im kommenden Mai und Juni eine Ausstellung stattfinden, und zwar gleichzeitig im Bruderholzquartier und im Treffpunkt von ATD Vierte Welt. Auch in Biel ist eine Ausstellung vorgesehen (Ort und Daten sind noch nicht festgelegt). Wir werden Sie über die Initiativen, die sich entwickeln, auf dem Laufenden halten, hier und auf unserer Webseite www.vierte-welt.ch. Machen Sie mit!

Noldi Christen (für das Team „Die Ausstellung wandert“)


Echo aus der Mediathek Wallis St-Maurice Von Catherine Widmann Amoos

„Zusammenarbeit mit lokalen, schweizerischen und internationalen Institutionen, um die Armutsbekämpfung in einer nachhaltigen und globalen Politik zu verwirklichen.“ So lautet eines der Ziele auf der Webseite von ATD Vierte Welt. Der Ausstellung „ATD Vierte Welt: eine farbenfrohe Bewegung“ ist es gelungen, dieses Ziel erfolgreich umzusetzen. Eine vorbildliche Zusammenarbeit einer kulturellen Einrichtung des Wallis mit ATD Vierte Welt.  (weiter)

Was für schöne Bilder, Gemälde und Zeichnungen haben doch die Räume der Mediathek Wallis St.Maurice vom 4. September bis 27. Oktober 2017 geschmückt! Dazu eine wunderbare Vernissage und ein Abend mit dem bewegenden Erfahrungsbericht von Frau Nelly Schenker. Die Besucher liessen sich gewinnen, und ihre zahlreichen Einträge im Gästebuch zeugen davon.
Wir freuen uns auch, dass eine Klasse der Hochschule für Soziale Arbeit von Sitten (HES-SO Valais) und die Gruppe der Migrantenfrauen „Femmes migrantes“ aus Siders und Sitten uns besucht haben. Das ganze Team der Mediathek Wallis St Maurice dankt den Freunden von ATD Vierte Welt ganz herzlich für ihre Liebenswürdigkeit und ihren Einsatz. 

„Kultur, das ist der Ausdruck des Lebendigen“  Gaëtan Faucer, belgischer Autor


Kunstausstellungen

Projektbeschreibung

8.Feb. - 24. März in Emmen (LU)

Vernissage 14. Februar (30. Todestag J.Wresinski)

Finissage 24. März (Rathausen gestern und heute)

Initiates file downloadFlyer für weitere Informationen

Weitere Ausstellungen

> Basel: Mai - Juni: eine Doppel-Ausstellung

> Biel: August

> Jura

Musik und Poesie - Editorial "Informationen Vierte Welt" Sept. 2017

Liebe Leserin, lieber Leser
Am 16. September hat das Musiktheater Verborgene Farben in Treyvaux seine Tournee begonnen. 17 Aufführungen sind vorgesehen, die letzte am 11. November in Gland (VD).
Lassen Sie sich dieses Schauspiel nicht entgehen und, bitte, laden Sie auch Ihre Bekannten dazu ein, von Armut betroffene und andere. Sei es in Liestal, Olten, Basel, Luzern, Winterthur oder Mendrisio ... Jede Aufführung wird einzigartig sein, bereichernd und schön!
Gewiss, das Stück wurzelt in der Lebenswirklichkeit der armen Leute. Und diese Wirklichkeit ist nach wie vor geprägt von Mangel, Angst, fehlender Freiheit: „Man erstickt uns!“ „Es hört nie auf!“ „Es ist wie ein Fluch, der an uns klebt!“(weiter lesen)

Solche Aussagen habe ich in den letzten Wochen öfter gehört und sie waren nicht leichtfertig daher gesagt. Die Überwindung von Elend und Ausgrenzung verlangt von uns allen einen langen Atem: von den Leuten, die in der aktuellen gesellschaftlichen Ordnung zur Armut verurteilt sind und auch von denen, die sich mit ihnen solidarisieren. Umso notwendiger brauchen wir die Überzeugung, dass wir den „Fluch“ gemeinsam brechen können. Solche Hoffnung, die auf konkreten Erfahrungen im Laufe der Geschichte unserer Bewegung gründet, verbreitet das Schauspiel „Verborgene Farben“ mit Poesie und Musik.

In der Bewegung ATD Vierte Welt haben Kunst und Poesie von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt. Für ihren Gründer, Joseph Wresinski, heisst Armut und Ausgrenzung überwinden, dass wir unser Bestes miteinander teilen. In seinem letzten Brief vom 8. Februar 1988 hat er dies seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen noch einmal ans Herz gelegt:

„Wir können nicht einfach Leute sein, die Ideen und eine Sprache bringen, wir müssen Leute sein, welche die Fülle und die Harmonie im Menschen bringen, also Leute, die Kunst und Poesie bringen. Wir können uns nicht auf die Vermittlung von Techniken beschränken. Wir müssen uns selber das Vollkommenste, was die Menschen haben, aneignen: musikalischen Ausdruck, auch die Malerei. ... Und soweit wir einen Glauben haben, müssen wir die armen Familien auch in die Welt des Unsichtbaren, des Unendlichen einführen, so dass sie sich selber nicht nur als Glieder einer Gemeinschaft, eines Wohnviertels fühlen, sondern als Glieder des Universums, die im Universum für Freiheit wirken.“

Zusammen mit unseren professionellen Partnern, welche die Kreation von Verborgene Farben ermöglicht haben, gehen wir heute auf diesem Weg der Befreiung voran. Bitte kommen Sie und überzeugen Sie sich selber davon !

Marie-Rose Blunschi Ackermann

Kunst und Kultur auf der Spur

In Genf hat ATD Vierte Welt von September 2016 bis Mai 2017 eine Zusammenarbeit mit "La Marmite" * und dem Historiker Mathieu Menghini begonnen. Er hat dieses Projekt für Kunst, Kultur und Volk als eine Art wandernde Volksuniversität entwickelt. Eine Gruppe von 15 Personen, bestehend aus Basismitgliedern und Mitarbeitenden von ATD Vierte Welt sowie Mediatoren, hat an diesem Kunst- und Bildungsweg teilgenommen. Auf dem Programm standen ein Besuch im Theater, im Kino und im Museum sowie ein Gespräch mit einem Gelehrten. Der rote Faden dabei war "Ungerechtigkeit". Laurence Pilet, eine Teilnehmerin, berichtet hier von ihrer Erfahrung.

An einem Treffen von ATD Vierte Welt Genf hatte ich von diesem Projekt gehört. Man stellte uns Mathieu Menghini vor, der etwas Kulturelles machen und mit der Kunst herumziehen wollte. Das Herumziehen sprach mich an, denn zu jener Zeit lebte ich ein Zigeunerleben. Auch das Künstlerische reizte mich. Das kannte ich nicht und deshalb zog es mich an.

Ohne diesen Ansporn durch "La Marmite" (deutsch: der Kochtopf!) wäre ich nie ins Theater gegangen. Ich weiss nicht warum, aber in meinem Kopf war die Idee, das sei nichts für mich. Ich dachte an die gut gekleideten Leute, an das Theaterbillet, das zu kaufen mir kompliziert erschien, und an den Preis, und da war halt die Idee, dass das Theater für eine gewisse Kategorie von Leuten sei. Mit der Gruppe von "La Marmite" also gingen wir das Stück "La boucherie de Job" (von Fausto Paravidino) sehen. Ich war betroffen von dieser Darstellung des menschlichen Lebens. Seinem Gewissen folgen und das Gute wählen, ist das ein Luxus, den sich nur Leute leisten können, die einen vollen Bauch und ein Dach über dem Kopf haben? Während des Stücks hätte ich mich manchmal am liebsten verkrochen, ich mochte der Realität, die es zeigte, nicht ins Auge sehen.

Angeregt durch diesen Theaterbesuch bin ich letzthin selber ins Theater gegangen, allein. Das hatte ich noch nie gemacht. Ich sagte mir: Warum eigentlich nicht? Ich bin hingegangen. Ich bemerkte, dass sich dort alle kannten, und ich kannte niemanden. Aber ich werde es wieder tun!

Dank "La Marmite" habe ich auch einen Schwarz-Weiss-Film gesehen, "Der letzte Mann". Das hätte ich sonst nie gemacht, für einen Schwarz-Weiss-Film ins Kino gehen! Ich bin bis zum Schluss geblieben, denn wir waren als Gruppe dort. Allein ist es nicht dasselbe.

In unserer Gruppe hatten wir nachher einen richtig guten Austausch. Wir haben uns schnell verstanden mit den Mediatoren und den neuen Mitgliedern. Ich habe mich sofort frei gefühlt, etwas zu sagen. Es ist auch wichtig, dass wir uns in unserem Haus (dem Joseph-Wresinski-Haus von ATD Vierte Welt Genf) treffen und hier auch zusammen essen, bevor wir ausgehen. So haben wir in der Gruppe schnell einen guten Zusammenhalt gefunden.

Uns mit Maurizio Lazarato, einem italienischen Soziologen und Philosophen, zu unterhalten, war für uns nicht selbstverständlich. Da will man ja von wichtigen Dingen reden, nicht nur vom Wetter. Aber dass er zu uns gekommen und unser Gast war und auch, dass wir zuerst eine Vorstellungsrunde machten, das alles hat viel zum Austausch beigetragen.

Eine Zeitlang musste ich diesem künstlerischen Unterwegssein fernbleiben. Ich hatte Gesundheitsprobleme. Aber als ich wieder teilnehmen konnte, spürte ich keine Vorwürfe und ich machte dann bis zum Schluss mit.

Für mich bleibt "La Marmite" eine schöne Erfahrung: Alles miteinander tun von A bis Z. Ins Theater und ins Kino gehen und, vor allem, miteinander austauschen. Das war wichtig, noch wichtiger als das Thema der Ungerechtig-keit, um das es uns ja ging. Ja, wir fühlten uns wohl in dieser "Marmite" unserem "Kochtopf"!

Laurence Pilet, aufgeschrieben von Cathy Low

Ich erinnere mich

Ich erinnere mich, als ich zur Komödie von Genf ging, nahm ich das Tram und stieg eine Station zu früh aus.
Ich erinnere mich, dass ich die Passanten anhielt und fragte, wo die Statuen seien. Ich hatte Angst den Weg zu verfehlen und zu spät zu kommen.
Ich erinnere mich, dass ich nachher zu Fuss mit zu Aurores Wohnung ging, zusammen mit Marie-Thérèse, die schnell ging und Aurore (Teilnehmerinnen von "La Marmite"), die sagte, es sei gut, gemächlich zu gehen.
Ich erinnere mich an das viele Gemüse, das wir schnitten und wieviel wir zusammen gelacht haben am Küchentisch.
Ich erinnere mich an das freie und ansteckende Lachen von Marie-Thérèse und an die Begeisterung, mit der sie einen immer empfängt.
Ich erinnere mich an die roten Fauteuils im Theater und an die Sandwiches in der Pause.
Ich erinnere mich, dass ich, als man mir das erste Mal von "La Marmite" erzählte, sofort mitmachen wollte aber Angst hatte, dass es nicht akzeptiert würde, da ich keine Genferin bin.

Laurence Pilet geschrieben in der Schreibwerkstätte dieses Kunstprojekts.

 

 

Kunstprojekt: Dort wo Ausgrenzung, Überlebenskampf und Hoffnung ist

Für dieses Projekt suchen wir noch:
Ausstellungsorte,  weitere Malorte und auch finanzielle Unterstützung (KONTAKT)

Projektbeschreibung mit Berichten von einem ähnlichen Projekt, das der Künstler, Urs Josef Kehl In Kanada durchgeführt hatte.
Folgende Bilder hat er dieses Jahr in der Schweiz gemalt.

In  Wirklichkeit ist es grau
Ich weiss nicht, woher es kommt, dass ich da plötzlich solche Farben nehme. Vieleicht, weil es einfach Leute dort drin hat. Da kann man das nicht grau lassen.

Beim Bahnhof, wo sich die Obdachlosen treffen.
Sie waren sehr nett zu mir, sie waren fast besorgt darum, dass mich niemand beim Malen stört.

Da bist du ziemlich gut aufgehoben.


Da wollte ich schon lange malen, wegen den Gefangenen und "Arbeitsfaulen", die diese Kanäle gegraben haben.
Immer wieder marschierte jemand auf der Strasse  zum weit entfernten Dorf. Ich wollte wissen, woher die Leute kommen und erreichte ein Durchgangszentrum für Asylbewerber.

Im Gespräch mit Urs erwähnte F. ein äteres Hochhaus mit von allerlei Sachen gefüllten Balkonen.
Zuerst stellte Urs seine Staffelei auf eine Brücke, wo er aber von der Polizei weggeschickt wurde. Er malte dann weiter am Fuss des Gebäudes. Mehrere Bewohner sind zu ihm gekommen, haben mit ihm gesprochen und ihm zu trinken gegeben.

"Was ich bei Urs phantastisch finde: Aus einem grauen Turm macht er einen Turm mit tausend Farben."

Verschiedene Leute aus der Gruppe haben ihre eigenen Malereien hervorgeholt und so ist eine ganze Ausstellung entstanden.


Das Projekt wurde unterstützt von: