Ein Dokumentarfilm über Grenzen hinweg

Die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm «Was ist aus uns geworden?» gehen voran. Der Film will ein breites Publikum zur Begegnung mit unterschiedlichsten Menschen einladen, die mit der Bewegung ATD Vierte Welt und ihrer 60-jährigen Geschichte verbunden sind. Darstellerinnen und Darsteller in diesem Film sind Menschen aus der Schweiz, aus Frankreich, dem Libanon, Zentralafrika, Haiti, Taiwan, den USA und Peru. Von einer Begegnung zur andern, dank der gewachsenen Nähe, sagen sie worum es ATD geht.  

Jean-Marc Schafer, ein Schweizer Darsteller, berichtet davon>>>

Ich hoffe sehr, dass die an diesem Vorhaben Beteiligten, ob in der Schweiz oder in Taiwan, aufzeigen werden, dass es bei der Bewegung ATD um einen Zusammenschluss geht. Wer Ausgrenzung erlebt, wird nicht vergessen und allein gelassen. Den Leuten, die verstehen wollen, muss man sagen, dass die Vierte Welt eine Bewegung der Hoffnung und des Miteinanders ist.

Bei dieser Filmarbeit ist es ganz wichtig zu verstehen, dass die Bewegung ATD ihre eigene Sprache entwickelt. Das ist keine Alltagssprache, die wir von Kind auf gelernt haben. Es ist eine andere Sprache, eine neue Sprache, mit der wir die richtigen Worte und Bilder finden können, solche, die mit unserem Leben übereinstimmen. Man muss aufrichtig bleiben, um die richtigen Worte für unser Leben zu finden, um nicht zu mogeln und dem Zuschauer zu ermöglichen, uns zu verstehen.

Mit diesem Film habe ich mich entschlossen, mein Leben mit der Vierten Welt zu teilen. Ich bin 62 Jahre alt, und es ist meine letzte Chance, mitzuteilen, was ich kenne, erlebe und fühle. Ich hoffe einfach, dass ich verstanden werde, aber ich kann niemanden dazu zwingen. Es ist schwierig, die Erfahrung von 62 Jahren in Worte zu fassen.

Mit diesem Film kann ich Spuren hinterlassen und andern ermöglichen, sich in meinem Leben wiederzuerkennen. Hoffentlich kann eine solche Person sehen, dass sie nicht allein ist in ihrer Situation. dass es einen Menschen gibt, der sie begleitet. Sie wird sich selber in diesem Film finden und sich nicht mehr verlassen fühlen am Strassenrand. Dieser Film kann zu einem Weggefährten werden.

Um Frieden zu finden und den Hass zu verbannen.

Im Moment sage ich, was ich denke, ich teile meine Sorgen mit, ich rede von mir und wie ich mit meinem Gewissen kämpfe, um Frieden zu finden und den Hass zu verbannen.

Wie habe ich es geschafft, trotz all der erlebten Gewalt keinen Hass mit mir herumzutragen? Ich habe mir gesagt: Jean.Marc, was musst du tun, um so wenig wie möglich zu leiden in deinem Leben? Und ich habe das Wundermittel gefunden: Lerne lieben! Und das habe ich schon als Kind getan, an all den Orten, wo ich fremdplatziert war, allein, ohne meine Geschwister, die ich erst viel später wieder gefunden habe. An jedem Ort musste ich jedes Mal neu lernen zu lieben.

Dass man weiterleben und eine Zukunft haben kann, das habe ich in diesem Film gefunden, eine Richtung, die den Weg nicht verfehlt. Und so mache ich weiter.

Jean-Marc Schafer


Initiates file download(Projektbeschreibung , 4 Seiten, PDF)

 

 

In der Schweiz führt uns Nelly Schenker in das Quartier Au in der Unterstadt von Freiburg, wo sie zur Welt gekommen ist. Sie erinnert sich: «Wir wurden geduldet, aber nur im Keller. Meine Mutter und ich schliefen im selben Bett. Im Raum stand auch das Bett eines Onkels. Auch er hatte keinen andern Schlafplatz. Seine Skier und sein Mofa standen da, für uns gab es eine Kommode für die Kleider und so war der Raum voll. Der Ort war wie ein Ablageplatz, ein Abstellgleis, das zu einem Depot führt.»

Durch das einzige kleine, vergitterte Kellerfenster konnte Nelly als Kind nur die Füsse der Leute sehen, die auf der Strasse vorbeigingen.

«Bis heute sehe ich überall das Licht, das mitten im Dunkel ausbrechen möchte, ein Licht in ganz vielen Farben. Weil man mir ein Leben lang die Luft abgeschnitten und mich zusammengedrückt hat, so fest man nur konnte, versuche ich umso mehr, «freie Luft» zu atmen. Und ich möchte mein Licht in die Welt tragen. Wenigstens einen Strahl, der zu mehr Frieden und Gerechtigkeit führt.»

In Caen in Frankreich

 

Ende November und anfangs Dezember 2016 führt uns der Film nach Caen. Martine Le Corre ist hier in einem armen Viertel geboren. Ihre Begegnung mit Père Joseph und den Langzeitvolontären in jungen Jahren war ausschlaggebend: es ging um ihre Mitwirkung in der Bekämpfung des Elends. Martine engagierte sich, insbesondere im Team «Wissen verbinden» und im Forschungsprojekt «Elend ist Gewalt - das Schweigen brechen und Frieden suchen». In den letzten Jahren leitete sie die Volksuniversität Vierte Welt in Caen.

 

Als wir Martine besuchen, verbringt sie ihre letzten Wochen in Caen, bevor sie anfangs Januar 2017 ihre neue Aufgabe als Mitglied der Generaldelegation im internationalen Zentrum übernimmt. So filmen wir denn in einer Zeit intensiven Austauschs unter verschiedensten Mitgliedern. Sie befassen sich mit der Frage, die auch der Film stellt, nämlich: Was ist aus uns geworden? Wohin führt uns das? Einzeln und gemeinsam?

Sowohl bei Familien, die uns bei sich zuhause empfangen als auch an Begegnungs- und Arbeitstreffen leitet Martine die Leute immer wieder an, sich zu fragen: Wie bemühen wir uns, einander nahe zu sein, auf neue Familien zuzugehen, uns in unseren verschiedenen Aufgaben gegenseitig zu unterstützen und eine ambitionierte Bewegung zu bleiben, die der Gewalt und der Ungerechtigkeit des Elends entgegentritt? Und wie können wir, so gestärkt, eine Leitungsform des «Miteinander Denkens» weiterentwickeln?

 

 

 

In Frankreich in Créteil bei Paris wird die Sozialsiedlung Petits Prés /Sablières abgebrochen.

Ein ATD Team lebte dort in den 70er Jahren. Guendouz Bensidhoum ist dort aufgewachsen. Dank seinem Einsatz und dem anderer Jugendlicher konnten in der Siedlung weiterhin Aktionen von ATD Vierte Welt stattfinden, obwohl kein Team mehr dort wohnte.

Djamel Seboui ist einer dieser jungen Leute. In all diesen Jahren hat er in einem Album Fotos und Zeitungsartikel gesammelt. Er hat auch selber kurze Texte geschrieben, die vom Schmerz und vom Mut der Siedlungsbewohner zeugen, wenn sie harte Schläge einstecken mussten. Und er schildert Feste, an denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene fröhlich zusammen feierten.

Heute nun müssen die Familien ausziehen, hinter ihnen werden Fenster und Türen zugemauert, bevor endgültig abgerissen wird. Djamel wacht darüber, dass die Geschichte dieses Ortes nicht verloren geht und verpasst keine Gelegenheit, sie den Jüngeren nahe zu bringen.

Mit dem Licht seiner Bilder ehrt Guendouz das Andenken der jungen Menschen, mit denen er aufgewachsen ist und die der unbarmherzigen Gewalt der Armut zum Opfer gefallen sind. In einer Welt in der so viele Menschen und Orte spurlos verschwinden, leisten Djamel und Guendouz Widerstand gegen das Vergessen.

Das Video ist auf französisch. Wir suchen Leute, die aufdeutsch übersetzen können. 

Auf dem Weg des Films

Der Dokumentarfilm, an dem Eugen und Anne-Claire Brand arbeiten, berichtet aus mehrern Ländern. Bei den verschiedenen Reisen konnte sich das Team mit stark engagierten Menschen unterhalten, interwievs und auch Bilder von ihrem täglichen Leben machen.
Ihr tägliches Leben, ihre finanzielle und wirtschaftliche Situationen sind sehr verschieden, aber was sie gemeinsam haben ist ihr starkes Engagement.
Bei der Begegnung vom letzten Samstag, 12. November, hat mir ein Basismitglied gesagt : « Der Film soll den Faden aufzeigen, welche die Menschen untereinander verbindet, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind. » Wo wir auch sein können auf der Welt, wir sind gemeinsam bei diesem Marathonlauf engagiert um Armut und Ausgrenzung zu überwinden.

„Geraubte Elternschaft“ in Taiwan wie in der Schweiz

Die Dreharbeiten zum Film “Was ist aus uns geworden?” kommen gut voran. Im Juli reiste das Filmteam nach Taiwan. Dort liess es sich von der ATD-Mitarbeiterin Shwu Shiow Yang-Lamontagne leiten. Sie hat Pionierarbeit geleistet, um die Bewegung in der chinesischen Kultur zu verankern. Der Aufenthalt begann mit einem Seminar zum Thema: “Das Recht auf Familienleben im Bezug auf die Realität der zwangsplatzierten Kinder”

 Unser Schweizer Beitrag ging von den Filmbotschaften zweier ehemaliger Heimkinder aus, welche die chinesischen Freunde bei ihrem Besuch im Juni 2015 kennen gelernt hatten. In den Kurzvideos erklären sier, wie viel Zeit es gebraucht hat, bis sie endlich gehört und verstanden wurden, bis man sie nicht mehr als Lügner hinstellte, bis man ihnen nicht mehr die Schuld an der erlittenen Gewalt zuschob: “Der schönste Sieg in meinem Leben ist, dass ich mir Gehör verschafft habe !”

Initiates file downloadGanzer Artikel erschienen im September 2016 in "Informationen Vierte Welt"  (PDF)

Yong-Xing mit ihrer Tochter einige Monate vor ihrem Tod

 

 

«Das Ende eines Lebens
ist nicht das Ende seines Wirkens.

Wir verdanken dieses Seminar
der Entschlossenheit dieser Mutter ».


In Haïti...

 Wer spricht heute noch vom Erdbeben in Haiti im Jahr 2010?

 Wer weiss, was aus den Bewohnern dieser Insel geworden ist?

 Aus diesem Volk der Freiheit und der Würde, der Hoffnung auch,

das diese Werte stets neu zu erobern sucht inmitten von Ausbeutung und Unterdrückung, Chaos und unbeschreiblicher Not und Gewalt?

Nach dem Erdbeben machen die Mitglieder der Bewegung ATD Vierte Welt die Erfahrung, dass es eine Mauer gibt, die dem Beben standgehalten hat, nämlich jene der Ausgrenzung.

Für unsern Film treffen wir ein Team von ATD Mitarbeitenden, die mit notleidenden Familien, mit Freunden und Lehrkräften unterwegs sind. Grösser als die Müdigkeit und die unzulänglichen Mittel ist ihr Mut, alles zu tun, damit die Hoffnung der Eltern nicht enttäuscht wird:

«Der Verstand unserer Kinder darf nicht blockiert werden. Sie sind der erste Reichtum eines ganzen Landes.»

 

nous rencontrons une équipe de volontaires en marche avec les familles, des alliés, des enseignantes,

Mütter und Väter, die ihre Kinder in die Vorschule «graine d'espoir» (Samen der Hoffnung) bringen, sagen uns, wie sehr die Lehrpersonen hier an die Fähigkeiten ihrer Kinder glauben und, ebenso wichtig, dass die Kinder hier lernen würden, sich untereinander und auch die Erwachsenen zu respektieren.

«Unsere Schule ist klein, aber hier lernen unsere Kinder das, was unser ganzes Land braucht, damit unser geliebtes Haiti eine Zukunft hat und die Fähigkeiten von niemandem verkümmern müssen.»

Die internationale Gemeinschaft hat sich eine nachhaltige Entwicklung, die niemanden übergeht, zum Ziel gesetzt. Die Schule «graine d'espoir» in Port-au-Prince stellt sich dieser Herausforderung und diesem Lernen für Gross und Klein!

Jacques Petidor

«Ich bin dem Nicht-Lesen-und-Schreiben-Können entkommen!» Diese Aussage von Jacques Petidor, Mitwirkender am Film in Haiti, hat mich sehr berührt. Als Kind lebte er als Hilfskraft in einem Privathaushalt. Dort hatte er einen schlimmen Unfall. Er fiel von einem hohen Baum und hatte mehrere Knochenbrüche. Sein Arbeitgeber fand ihn und legte ihn auf ein Bett, rief aber keinen Arzt. Mit einem stark versehrten Körper hat Jacques überlebt.

«Niemand ist illegal auf dieser Welt», sagt uns Père Joseph Wresinski. Aber ein Kind ist seinem Leiden überlassen worden, weil es in den Augen der andern nur zum Dienen da war, wie ein Ding, das weggeworfen wird, wenn es ausgedient hat. Allen Erwartungen zum Trotz hat Jacques überlebt, hat gelernt und ist politisch und sozial aktiv geworden. Er ist ein Überlebender des Illettrismus und der fehlenden Bildung. In jenem Zimmer, allein und ohne Beistand, hätte er sterben können, aber er hat überlebt. Wieviele Menschen jedoch sind ohne Bildung gestorben?

 Ich würde nie von mir aus in einen Dokumentarfilm gehen. Aber was man hier sieht, das ist stark, da bleibt man dabei ! Und dann könnten die Leute voller Hass sein. Das ist aber ganz anders, sie sprechen vom Frieden. Das spricht mich an und gibt mir Hoffnung.

(Am Samstag 12. März haben wir dieses Projekt und einige Filmausschnitte bei einem Treffen der Jugendgruppe Djynamo in Treyvaux vorgestellt.)

In der Schweiz gemachte Aufnahmen

Hier habe ich gearbeitet
Auch in Bern soll unsere Stimme gehört werden

Was auf uns zukommt:

 Bei unseren nächsten Film-Workshops am 5. Juni in Treyvaux und am 6. Juni in Basel werden wir zeigen können, wie die Bewohner dieses Quartiers in Beirut zusammenleben mit Familien aus so vielen verschiedenen Ländern welche vor der Gewalt des Krieges, des Elends und des Hungers fliehen mussten.
Am 20.Mai werden wir aus Haïti zurück sein und werden euch auch Bilder von Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen und Familien von diesem Volk mitbringen. Sie können uns helfen zu sehen, was der Film enthalten und vermitteln soll.

Wir suchen Leute, die Texte von Französisch auf Deutsch übersetzen können, damit wir in der Deutschschweiz vermehrt Beziehungen knüpfen können.

Im April waren wir 10 Tage im Libanon.

 Nach der Projektion der Videos mit Nelly (Schweiz), Jean-Marc (Schweiz), Guendouz (Frankreich) und Parfait (Zentralafrika) - vor einem Publikum mit Menschen aus Ägypten, Syrien, Irak, Kurdistan, Sri Lanka und natürlich auch aus dem Libanon - kam es zu einem eindrücklichen Austausch über die Lebensgeschichten, den Mut ihrer Eltern, das erlebte Leiden, aber auch die Entschlossenheit das Schicksal in die Hand zu nehmen. Wir haben ein ziemlich langes Gespräch mit Georges aufgenommen.

Er gab uns zu verstehen, dass es das erste Mal war, dass er vor seinen Kindern, schon Jugendliche, über gewisse Schlüsselelemente aus seiner Kindheit sprach, als seine Familie hier in seinem Land, im Libanon grosse Armut erlebte. Solche Momente beeinflussen das Leben und die Wahl eines Engagements, welches auch Kritik ausgesetzt ist, wie jene seines Chefs der ihm sagte : « Du verlangst eine Lohnerhöhung, aber was nützt das, wenn du dieses Geld mit den Strassenkindern verschwendest. » Diese Worte sagte er in der Nacht bei den Aufnahmen vor dem Supermarkt wo er Wache hält und wo er nie isst, ohne mit den Kindern die dort sind zu teilen. « Ich hatte eine Operation und alle Kinder sind ins Spital gekommen, um mich zu suchen und mir zu essen zu bringen. Das Personal war eher beunruhigt als all diese Kinder in mein Zimmer kamen. ! »

Georges hatte als Kind selber auf der Strasse gelebt, auch mit seinem ersten Kind. « Und es war ein Zigeunerkind, das ein Stück Schokolade mit meinem Kind geteilt hat. »

Dieser Dokumentarfilm wird keine historische Darstellung sein, sondern eher ein Garten, in dem sich Menschen aus mehreren Ländern Europas, auch aus der Schweiz, und der Welt begegnen.
Gemeinsam wird ihnen die Frage sein:

Was ist aus uns geworden auf unserem Weg, das Schweigen zu überwinden und Frieden zu suchen, in unseren Siedlungen und Dörfern, in unserem Land und in der ganzen Menschheitsfamilie auf ihrer Suche nach Einheit?

Ein „Menschengarten“, in dem Kinder und Jugendliche Sinn, Mut und neue Freiheit finden auf ihrer Suche nach ihrem Platz und Wirken in der Welt.

Anfangs 2016 hat unser Filmteam bei Mitgliedern von ATD Vierte Welt in der Zentralafrikanischen Republik gedreht. Es berichtet: Wir haben Kurzfilme von Mitgliedern aus der Schweiz nach Bangui gebracht. Bilder, auf denen man Valentin begegnet: „Als ob ich ein Apfelbaum wäre, so hat man mich an einen neuen Ort verpflanzt. Es war schwierig, in der neuen Erde heimisch zu werden. Deshalb möchte ich meine Wurzeln entdecken, neuen Boden und neue Energie finden, um mich gegen die Armut zu wehren.“ Und auch Bilder von Nelly Schenker aus Basel, die von Père Joseph Wresinski spricht: „Er hat uns Wurzeln fassen lassen und das auf dem Boden des Wissens, das man miteinander teilt. Er hat uns als freie und intelligente Menschen wachsen lassen.“

Chronik der Begegnungen

 „Unter dem Mangobaum“ Bangui - 7.Januar 2016

Es ist 8 Uhr morgens, die Sonne brennt auf den Markt, an dessen Ende Guillaume auf uns wartet. Er wird uns zum Mangobaum führen, wo er mit Charles und Herbert zusammen gefilmt werden möchte. Er erzählt:
„Eine Piste führte uns damals unter diesen Mangobaum. Wir kamen vom Flughafen, wo die Jugendlichen für ein Trinkgeld Lasten abluden. Das Leben auf dem Schrottplatz hinter dem Flughafen war nicht leicht, sie wollten einen Ort haben, wo sie zur Ruhe kommen konnten. Das Blätterwerk dieses Mangobaumes war das Dach für unser Treffen, das Dach für den Start unseres Marsches mit der Bewegung ATD in Bangui. Aus weggeworfenem Material bastelten wir Radios, wir zeichneten die Vorlagen.“

Seit dreissig Jahren bewahrt Guillaume diese Pläne bei sich auf! Heute hat er sie mitgebracht und vor der Kamera ausgebreitet. Auch Charles gehörte zu diesen Jugendlichen. „Dank diesen Treffen konnten wir die Angst hinter uns lassen. Nachher haben wir den „Hof für tausend Berufe“ gebaut. Die Leute in der Umgebung meinten, wir hätten Arbeit gefunden, aber so war es nicht, wir bauten einen Ort für ATD Vierte Welt.“

Heute ist Herbert als junger Leiter in seiner Gemeinschaft aktiv. Wegen der bewaffneten Konflikte in seinem Land musste er mit seiner Familie in das Notlager beim Flughafen ziehen. „Ich befürchtete, dort keine Aktivitäten rund ums Lernen anleiten zu können, aber schon waren die Kinder da und sagten: Tonton, das schaffen wir! Mit den Müttern fingen wir an, einen Platz zu jäten. Wir sahen, dass es ging und dass es die Angst verscheuchte und unsere Intelligenz wach hielt. Wenn wir da sind, dann, weil uns die Ahnen nicht allein gelassen haben. Sobald ich eine Frage habe, rufe ich Guillaume an, egal um welche Zeit, manchmal nachts um ein Uhr, denn im Lager schläft man nicht. Ich rufe ihn an und bitte um Rat.“

Was ist aus uns geworden bei unserer Suche nach Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden ?

Menschen, die sich nicht begegnen haben Angst voreinander - das führt zu Gewalt. Unser Projekt soll direkte Begegnungen über geographische, soziale und kulturelle Grenzen hinweg ermöglichen.

Der Film wird sich von den Kindern und Jugendlichen leiten lassen, von ihrem Blick in die Zukunft und wie sie diese zu gestalten suchen. Damit sollen auch indirekte Begegnungen und Gedankenanstösse für ein friedliches Zusammenleben ermöglicht werden.



Verantwortlich für das Projekt sind Anne-Claire und Eugen Brand. Eugen Brand war von 1999 bis 2012 Generaldelegierter der internationalen Bewegung ATD Vierte Welt. Diese Verantwortung hat ihn in über 50 Länder geführt. Dabei sind dauerhafte Beziehungen mit Menschen in grosser Armut sowie mit Partnern im öffentlichen Leben und der Gesellschaft gewachsen.Initiates file download Projektbeschreibung (PDF, 4 Seiten)

Initiates file downloadImmer wieder wird darauf hingewiesen, dass der Graben zwischen Armen und Reichen sich vertieft. Mit unserer Arbeit wollen wir nicht Zahlen und Fakten in diesem Sinne hinzufügen, auch nicht eine Moralbotschaft. Wir wollen Menschen zu Worte kommen lassen, arme und nicht arme, die aus ihren ganz verschiedenen Lebenswegen gemeinsam ein Netz von gelebter Solidarität im Einsatz gegen Armut aufbauen. Ziel unserer Arbeit ist, diese unbekannten Brückenbauer vom Schatten ins Licht zu bringen und dies auf eine Art und Weise, wie sie das selber wollen und bestimmen. Gerade jungen Menschen, die sich oft gegenüber dem überwältigenden Weltgeschehen machtlos, manchmal sogar unnötig vorkommen, möchten wir damit eine Quelle aufzeigen, wo sie Kraft und Mut schöpfen können, mit Kreativität neue Wege des Zusammenlebens aufzubauen.