Der 17. Oktober 2010 in der Schweiz

"Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht."
         Joseph Wresinski, 17. Oktober 1987

2010 ist das "Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung". Die Bewegung ATD Vierte Welt in Europa hat das Engagement der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Zentrum der Aktivitäten dieses Jahres gestellt. Darum soll der 17. Oktober ihnen in diesem Jahr ganz besonders ein Forum für ihre Botschaft bieten. 

Veranstaltungen in Genf, Luzern, Zürich, Biel, Basel, Lausanne ...
News vom 17. Oktober 2010 >> Berichte, Fotos, Videos

Mehr über den 17. Oktober:

Veranstaltungen in der Schweiz

In Genf

werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Zentrum der für den 16.-18. Oktober geplanten Aktivitäten stehen.
In Genf hat ATD sich dazu mit anderen Organisationen zusammengeschlossen: Mit Amnesty International, dem Verein CODAP und dem Verein Mesemrom („Ich bin Rom“), der die Interessen von Roma in Genf vertritt. Gemeinsam planen sie verschiedene Veranstaltungen vom 16.-18. Oktober. Sie wollen Menschen in prekären Lebenssituationen einen Raum  bieten, wo sie frei das Wort ergreifen können. Auch andere Personen, die sich für den Respekt der menschlichen Würde einsetzen, sollen zu Wort kommen. Die EinwohnerInnen von Genf sollen erfahren, unter welchen Diskriminierungen Teile der Bevölkerung leiden und welche Grundrechte allen zustehen.

Am Samstag 16. Oktober wird in Bains-de-Paquis ein Bericht über die Verletzung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Menschenrechte in der Romandie vorgestellt. Am Abend gibt es ein gemeinsames Essen und ein Fest mit verschiedenen lokalen KünstlerInnen.

Am Sonntag 17. Oktober am gleichen Ort findet ein Brunch statt. Anschliessend gibt es einen runden Tisch mit Beiträgen von Armutsbetroffenen, die nicht nur von ihren Schwierigkeiten im Alltag, sondern auch von ihrem Widerstand, ihren Ideen und Vorschlägen für eine gerechtere und menschlichere Gesellschaft berichten werden.

Am Montag 18. Oktober findet eine Gedenkstunde auf dem Gelände der Vereinten Nationen statt.

Am 15. Oktober, in Bern empfängt Philippe Perrenoud, Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kanton Bern, eine Delegation von Jugendlichen.

In Luzern

gibt es im RomeroHaus eine Schreibwerkstatt für Armutsbetroffene mit der Schriftstellerin Tania Kummer, am 25. September, 2. und 9. Oktober von 10.00 bis 17.00 Uhr. Die in der Schreibwerkstatt entstandenen Texte werden am 17. Oktober um 17.00 Uhr in einer öffentlichen Lesung im RomeroHaus durch eine Schauspielerin vorgetragen. Anmeldung bis 20. September und Informationen unter www.romerohaus.ch

In Zürich

: der Verein zur Verwirklichung der Menschenrechte von Armutsbetroffenen in der Schweiz «IG Sozialhilfe» organisiert eine Diskussionsveranstaltung über Wohnen, Wohnungsnot, Sozialhilfe, Armut. 17.Oktober 2010 15.30 - 21.30 Uhr Seefeldstrasse 93 in Zürich www. ig-sozialhilfe.ch

In Biel am 21. Oktober

von 17-21Uhr : Veranstaltung in der Innenstadt (Dufourstrasse, Ecke Nidaugasse) unter dem Motto         «.... und jetzt?».  Musik, Basteln, Animationen, Nachtessen gratis Organisation: kath. Kirche, Gruppe Mit der Vierten Welt, Soziale Anlaufstelle/Gassenarbeit Biel-Seeland-Jura.

In Basel,

«Armut braucht Mut» - für die Betroffenen und alle anderen, die gegen Strukturen der Armut im Alltag kämpfen. In 15 Kirchgemeinden der Kantone Basel-Stadt und Baselland wird der Sonntag, 17. Oktober als Welttag gegen Armut und soziale Ausgrenzung begangen werden. Im Anschluss an die Gottesdienste geben Mitglieder von ATD-Vierte Welt und befreundete Organisationen an Informationsständen weitere Auskunft und kommen mit den Gottesdienstbesuchern ins Gespräch.
Weitere Informationen: Daniel Wiederkehr «wiederkehr.daniel@rkk-bs.ch

In Lausanne

14.00 Uhr           Empfang –im Centre Social Protestant Place Arlaud 2,
14.30 Uhr Film « Accordages », zeigt, wie Menschen aus unterschiedlichster Herkunft im Sing-Atelier  von ATD Vierte Welt einander näher kommen; Workshop für Kinder
16.15 Uhr Solidaritätsmarsch zur Promenade Derrière-Bourg
17.00 Uhr Einweihung eines Gedenksteins – Aussagen von Menschen, die von Armut und Ausschluss betroffen sind – Offizielle Ansprache der Stadt Lausanne
17.30 Uhr Suppe
Organisation: Association des Familles Monoparentales et Recomposées - Association des Familles du Quart Monde de l’Ouest lausannois - Caritas Vaud - Pastorale sociale et de rue catholique

Entstehung und Zweck des Tages

Am 17. Oktober 1987 trafen sich auf Einladung von Père Joseph Wresinski 100'000 auf dem Trocaderoplatz in Paris. Sie ehrten die Opfer von Hunger, Unwissenheit und Gewalt, bekräftigten ihr Nein zum Elend und riefen die Menschheit auf, sich mit Nachdruck für die Achtung der Menschenrechte einzusetzen. Eine Steinplatte mit dieser Botschaft wurde in den Vorplatz des Gebäudes eingelassen, in dem 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet worden war. Man kann darauf den Satz von Père Joseph lesen:

Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben,
werden die Menschenrechte verletzt.

Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen,
ist heilige Pflicht.

Die Menschen, die sich damals versammelten, kamen aus aller Welt, aus allen Bevölkerungsschichten und allen religiösen und weltanschaulichen Richtungen. Manche vertraten internationale, nationale oder lokale Behörden. Andere lebten mit ihrer Familie in grosser Armut und mussten ihr Tag für Tag Widerstand leisten.

Seither nehmen auf allen Kontinenten sehr arme Menschen und andere, die Elend und Ausgrenzung ablehnen, den 17. Oktober zum Anlass, ihren Einsatz für die Menschenwürde öffentlich bekanntzumachen und zu erneuern. Er ist zu einem Tag des Widerstands gegen Not und Ausgrenzung geworden.

Am 17. Oktober 1992 lancierte der ehemalige UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar im Namen des "Komitees für den Welttag des Widerstands gegen das Elend" einen Aufruf zur Anerkennung dieses Tages. Am 22. Dezember 1992 wurde der 17. Oktober von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum "Internationalen Tag zur Überwindung der Armut" erklärt. Seither mehren sich die Initiativen, um diesen Tag zu feiern. An vielen Orten gibt es auch Versammlungen am 17. jedes Monats.

Gedenktafel zu Ehren der Opfer der Armut

Diese Marmorplatte wurde am 17. Oktober 1987 auf dem Menschenrechtsplatz beim Trocadero in Paris eingeweiht.

Übersetzung des eingravierten Textes:

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17. Oktober 1987

Verteidiger der Menschenrechte aus aller Welt haben sich auf diesem Platz versammelt. Sie haben den Opfern von Hunger, Unwissenheit und Gewalt Ehre erwiesen. Sie haben ihrer Überzeugung Ausdruck gegeben, dass Elend nicht unabwendbar ist. Sie haben ihre Solidarität bekundet mit allen, die irgendwo auf der Welt für seine Beseitigung kämpfen.

Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben,
werden die Menschenrechte verletzt.
Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht.

                                                               Père Joseph Wresinski

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Weltweit finden sich Nachbildungen dieser Gedenktafel.
Für weitere Informationen: répliques (auf Französisch)

Grundlagentexte

Die nachfolgenden Dokumente bilden eine gemeinsame Grundlage zur Feier des Welttages zur Überwindung der Armut und helfen, dass dessen Sinn und Zweck erhalten bleiben.

  • Plattform 17. Oktober Grundsätze und Vorschläge, wie der Welttag zur Überwindung der grossen Armut gefeiert werden kann.
  • Inschrift der Gedenktafel, die am 17. Oktober 1987 in Paris eingeweiht wurde.
  • Fürbitte von Père Joseph für den 17. Oktober 1987
  • Neue Resolution der Vereinten Nationen vom 19. Dezember 2005 (auf Englisch) (pdf) zur Überwindung der Armut. Sie präzisiert im Punkt 55...
    "Die Generalversammlung wünscht, dass der Welttag zur Überwindung der Armut gefeiert wird, welche sie in ihrer Resolution 47/196 vom 22. Dezember 1992 eingesetzt hat, damit das Bewusstsein der Öffentlichkeit sensibilisiert wird für die Förderung der Abschaffung der Armut und des Elends in allen Ländern, und sie wünscht ebenfalls, dass dieser Tag auch weiterhin eine wertvolle Rolle spiele in der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Mobilmachung aller Beteiligten im Kampf gegen die Armut, und sie bittet den Generalsekretär, eine Studie der Feier dieses Tages zu veranlassen, damit aus den Erfahrungen gelernt werden kann und die Mobilmachung der Beteiligten weiter gefördert werden kann."